Rasende Geschwindigkeit und aufgewirbelter Staub sind die Assoziationen, die sich bei dem Gedanken an einen Sturm einstellen. Ist es da nicht eine reizvolle Vorstellung, eine solche Naturgewalt mit den eigenen Händen kontrollieren zu können? Mit dem E-Firestorm 10T will HPI diese Möglichkeit jedermann zur Verfügung stellen. Laues Lüftchen oder heißer Orkan – wir wollten es ganz genau wissen.

2WD-Stadiumtrucks im Maßstab 1:10 gehören einer der traditionsreichsten Klassen im Offroad-Bereich an. Der amerikanische Hersteller HPI spricht hier bereits seit Langem ein gehöriges Wort mit. So war dann die Vorstellung des Firestorm 10T mit Verbrenner-Antrieb eigentlich die logische Konsequenz aus dem Anspruch heraus, die Modellpalette auf einem technisch modernen Niveau zu halten. Eine Premiere ist ein solcher HPI-Truck mit einem Elektromotor im Heck. Der E-Firestorm 10T bildet den Einstieg in die Klasse der heckgetriebenen 1:10-Elektro-Stadiumtrucks.

Bash or Race?
Grundsätzlich ist die Mehrzahl der Modelle in genannter Fahrzeugklasse für die Rennstrecke konzipiert. Von der Konstruktion her macht der E-Firestorm da keine Ausnahme. Der Firebolt-Motor mit 15 Turns sitzt direkt hinter der Hinterachse und gibt seine Kraft über das 48-dp-Hauptzahnrad mit Slipperkuppung an das Getriebe weiter. Von dort aus werden die Umdrehungen per Knochenwellen und über Aluminium-Mitnehmer an die Räder geleitet. Das Chassis des Modells wurde in Wannenform aus Komposit-Kunststoff gefertigt. Auch hier ist die Platzierung der Komponenten klassentypisch: Der Antriebsakku sitzt längs-mittig im Modell. Seine Aufnahme lässt von den Abmessungen Stickpacks mit sechs oder sieben Zellen zu.

Entscheidet man sich für die kürzere Ausführung, also einen Sechszeller mit 7,2 Volt, so kann dessen Position nach vorn oder hinten verlagert und so eine Verschiebung des Schwerpunkts erreicht werden. Neben einem Druckbügel mit Rändelschrauben sorgen dann Blöcke aus Schaumstoff vor und hinter dem Akku für einen sicheren Halt. In Fahrtrichtung links sitzt der elektronische Fahrregler mit passivem Kühlkörper, den rechten Platz nimmt der Empfänger ein. Vorn wurde schließlich das Lenkservo platziert. Die Aufhängung des Modells wurde fast ausschließlich mit Kunststoff-Komponenten bewerkstelligt. Vier Öldruck-Stoßdämpfer mit Rändel-Justierung können oben an jeweils drei, unten an jeweils zwei Positionen befestigt werden. Dies gilt sowohl vorn, als auch hinten. Sie verbinden die Kunststoff-Dämpferbrücken mit den langen, filigran wirkenden Schwingen aus dem gleichen Material. Spur und Sturz werden durch Rechts-links-Gewindestangen aus Stahl eingestellt.

Ein Racer
Nach der ersten Bestandsaufnahme zeigte sich das typische Erscheinungsbild eines Wettbewerbs-Renners. Nun handelt es sich aber um ein RTR-Modell. Dies ist eigentlich eher ein Hinweis auf einen Allround-Einsatz. Einige der verbauten Komponenten bestätigten dann auch diesen Verdacht. Zuerst fiel dabei die gewählte Abstimmung des Fahrwerks auf: Die Serien-Federn sind recht hart und werden so eher gröbere Sprünge auffangen als feinste Unebenheiten wegzubügeln. Dazu kommen die gewählten Reifen, die aus einem recht harten Material gefertigt sind. Den weitaus größten Anteil am „Bash-Faktor“ trägt aber das komplett kugelgelagerte Getriebe: Hier wurde, im Gegensatz zum Chassis, fast vollständig auf Kunststoff verzichtet.

Vielmehr sind alle Zahnräder im Inneren aus Stahl gefertigt. Dieser Umstand erhöht natürlich das Gewicht und die trägen Massen erheblich. Andererseits wird so aber eine enorme Standfestigkeit erreicht. Vor allem im Hinblick auf die sich immer stärker verbreitenden Brushless-Motoren ein sehr wichtiger Faktor. Wer einmal einen Blick in das Getriebe des E-Firestorm geworfen hat, der ist versucht, von einer „Bulletproof-Ausführung“ zu sprechen. Es ist tatsächlich schwer vorstellbar, dass irgendeine auch nur halbwegs sinnvolle Motorisierung in der Lage ist, die Stahlkomponenten zu knacken, zumal ja auch noch ein Slipper schützt. Dies wird noch durch den Umstand verstärkt, dass ein Differenzial in Kegel-Bauweise gewählt wurde. Gegenüber den sonst häufig verbauten Kugeldiffs ist das sicher die stabilere Variante, vor allem mit den verbauten Spider-Rädchen aus Stahl.

Doch ein Basher
Die Zusammenfassung der Komponenten kann nur einen Schluss zulassen: HPI versucht hier einen Spagat. Einerseits soll der Fun-Driver angesprochen werden, der sein Modell mit Vorliebe auf Schotterplätzen und Waldwegen steuert. Andererseits ist der Firestorm so konstruiert, dass er mit wenigen Änderungen fit für die Rennstrecke gemacht werden kann. Ein Konzept, das durchaus schlüssig erscheint. Zumindest in der Theorie. Diese ist bekanntlich grau und so sollte der Truck in der Praxis beweisen, was er drauf hat. Die RTR-Bauweise erfordert dabei vor dem ersten Start keine größeren Arbeiten. Als Fahrakku wurden sechszellige LRP-Team-Power-Stickpacks mit einer Kapazität von 4.200 Milliamperestunden gewählt. Nun folgte der Check der RC-Komponenten. Die enthaltene HPI-TF-1-27-Megahertz-AM-Fernsteuerung mit zwei Kanälen verfügt über die gängigen Funktionen.

Als Lenkservo begegnet uns ein alter Bekannter, das HPI SF-1 mit Kunststoff-Getriebe, das schon oft in Testmodellen gesichtet wurde. Beim Einsatz in einem leichten, heckgetriebenen Modell ohne Antriebseinflüsse an der Lenkung könnte jedoch durchaus ein anderes Ergebnis als eigentlich erwartet zu verzeichnen sein. Voreingenommenheit war also fehl am Platze. Die Praxis sollte endgültige Gewissheit bringen. So wurde also der Fahrakku eingelegt und die Funke sowie Empfänger eingeschaltet. Nun musste der E-Firestorm zeigen, ob er halten konnte, was der Name verspricht.

Abfahrt
Als Testgebiet wurde ein großer Abenteuer-Spielplatz gewählt. Hier gibt es ein Beachvolleyball-Feld mit tiefem Sand, Rasen, Schotterwegen und Hügel mit lehmigem Untergrund. Sprich: Alles, was das Basher-Herz begehrt. Dass an diesem Ort überhaupt gefahren werden konnte, ist einen entscheidender Vorteil des abgas- und lärmfreien Elektroantriebs. Nach einem kräftigen Zug am Gashebel zischte der E-Firestorm davon. Die Beschleunigung, die der Thunderbolt-Motor ermöglichte, war dabei locker auf dem Niveau des Verbrenner-Bruders. Bei der Endgeschwindigkeit sah es da schon etwas anders aus. Hier fällt der Elo gegenüber dem Nitro doch deutlich ab. Unter dem Strich war die Leistung für eine Baukasten-Motorisierung okay, ohne die ganz große Euphorie auszulösen. Das Fahrwerk des Modells zeigte die erwartete, recht straffe Abstimmung. Landungen nach kleinen Sprüngen wurden satt und ohne Durchschlagen aufgefangen. Kleinere Unebenheiten dagegen konnten nicht ganz ausgebügelt werden. Vor allem bei schneller Fahrt wirkte die Abstimmung etwas hoppelig. Letztlich ist das aber nur eine Frage der Wahl von Federn und Dämpfer-Befüllung.

Die Reifen des Modells erzeugten auf Gras, Asphalt und im tieferen Sand einen guten Grip. Auf Schotterboden hingegen wäre eine weichere Mischung mit feineren Noppen die richtige Wahl gewesen. Unter dem Gesichtspunkt der Allround-Fähigkeit aber ist das weite Einsatzgebiet in puncto verschiedener Böden, auf denen die Pneus gut funktionieren, vollkommen zufrieden stellend. Das grundsätzliche Fahrverhalten des Modells erwies sich als typisch für einen Hecktriebler: Beim Durchrollen von Kurven verhielt sich der E-Fire­storm gutmütig und neutral mit Tendenzen zum Übersteuern. Wurde in einer Kurve beschleunigt, sorgten die entlasteten Vorderräder dafür, dass der Truck untersteuernd nach außen schob. Mit etwas Übung können Kurven so ohne Änderung des Lenkeinschlags nur mit dem Gasfinger optimal durchfahren werden. Das Flugverhalten des Modells zeigte sich gut einschätzbar. Es ist allerdings ratsam, kurz vor dem Absprung vom Gas zu gehen, da die konstruktionsbedingte Hecklastigkeit ansonsten dafür sorgt, dass das Modell nach hinten wegkippt. Korrekturen in der Luft sind bei einem 2WD nur eingeschränkt möglich, da nur mit zwei Rädern korrigierende Drehmomente erzeugt werden können. Nach einigen Versuchen war das Modell aber optimal beherrschbar.

Keine Bürsten, viel Power
Nachdem der Firestorm seine Bashfähigkeiten bewiesen hatte, drängte sich mehr und mehr die Frage auf, wie es denn um seine Renn-Qualitäten stehe. Die einzige Möglichkeit, dies herauszufinden, war ein Ausflug zur Indoor-Offroad-Strecke im RC-Glashaus Quickborn. Dort angekommen zeigte sich, dass gerade eine große Anzahl 1:10er-Offroader verschiedenster Hersteller auf der Strecke unterwegs war. Die Gelegenheit beim Schopfe packend wurde unser Gladiator mit geschärften Waffen in die Arena geschickt. Hierzu wurde ein Brushless-Motor mit 9,5 Turns und Sensor-Technologie verbaut, der die Spitze der neuen LRP-Eraser-Motorenreihe bildet. Im Plug-and-Play-Verfahren wurde er mit dem LRP-A.I.-Brushless-Pro-Reverse-Digital-Regler verbunden. Dieser bewältigt sowohl Brushlessmotoren über 8,5- als auch Brushedmotoren über 7 Turns.

Interessant an dieser Kombination ist die simple Vorgehensweise bei den Fahrvorbereitungen: Motor rein, Regler rein, Kabel zusammengesteckt – fertig. Löten oder Setupeinstellungen sind nicht nötig, was die Einsteigerfreundlichkeit des Sets sehr hoch hält. Dies harmoniert perfekt mit der Ausrichtung des Firestorms. So gestärkt ging es dann auf die Piste. Der Unterschied in der Leistungsabgabe war vom ersten Augenblick an zu spüren. Der Eraser wies gegenüber dem durchaus ordentlich laufenden Firebolt-Motor eine Mehrleistung von geschätzten 30 bis 40 Prozent auf. Das Car zeigte jetzt so richtig, was in ihm steckt. Auf dem griffigen Teppich bauten die Reifen hervorragende Traktion auf. Da die Höchstgeschwindigkeit des Modells auf der winkeligen Strecke nicht wirklich genutzt werden konnte, wurde das serienmäßige 19er-Motorritzel kurzerhand gegen eine Variante mit 16 Zähnen getauscht. Damit legte der Truck in der Beschleunigung nochmals eine Schippe drauf. Die Fahrleistungen waren schlichtweg beeindruckend, ebenso die Feinfühligkeit des Reglers. Weder er noch der Motor überschritten während des Rennens Maximaltemperaturen von 45 Grad Celsius.

Mit dem 4.200er-LRP-Akku wurden Fahr­zeiten von 15 Minuten erreicht, was etwa vier Minuten über denen des Firebolt-15-Turn-Motors liegt. Der ohnehin schon positive Eindruck des HPI-Modells wurde durch den maximalen Fahrspaß mit dem Brushless-Set nochmals deutlich erhöht. Einziger Wermutstropfen war jetzt allerdings das SF-1-Lenkservo. Hatte es beim Outdoor-Bash noch recht brauchbar funktioniert, so war es mit der winkeligen, traktionsreichen Teppichstrecke in Kombination mit den hohen Fahrleistungen etwas überfordert. Schäden gab es nach zirka 20 gefahrenen Akkuladungen keine. Der Verschleiß reduzierte sich auf minimale Abnutzung an den Cups des Differenzials.

Allzweckmobil
HPI ist der Spagat zwischen Basher und Racer absolut gelungen. Mit adäquaten Fahrleistungen lässt sich ein Naturgebiet mit wechselnden Untergründen aus dem Karton heraus prima bezwingen. Wer auch mal auf die Rennstrecke möchte, für den fallen die Investitionen in einen Satz Fahrwerksfedern sowie einige Fläschchen Silikonöl sehr gering aus. Mit diesen Modifikationen wird der E-Firestorm vor allem auf kleineren Rundstrecken eine gute Figur machen. Wer richtig Druck will, kommt allerdings an dem Eraser-Brushlessmotor kaum vorbei. Die Einfachheit der Umrüstung ist vorbildlich und macht aus dem Firestorm einen waschechten Renner. Dann wird aus dem Sturm ein wirklicher Orkan.

Text und Fotos: Oliver Tonn


Das Differenzial ist in Kegel-Bauweise ausgeführt


Alle Zahnräder des voll kugel­gelagerten
Getriebes sind aus stabilem Stahl gefertigt


Der Schenkel der Hinterachse kann mit Distanzscheiben in verschiedenen Positionen befestigt werden, was der Justierung des Radstandes dient


Rechts-links-Gewindestangen und zwei Aufhängungspunkte für den Stoßdämpfer ermöglichen die Feinabstimmung des ­Modells. Achsschenkel vorne sind in C-Hub-Bauweise gefertigt


Der Stoßdämpfer kann an der Brücke an drei Punkten montiert werden. Die Feder-Vorspannung wird per Rändelmutter verändert


Die Positionierung der Komponenten des
E-Firestorm wurde klassenüblich umgesetzt


Der Regler verträgt Motoren ab 15 Turns und ist werksseitig mit einem passiven Kühlkörper versehen


Verschiebbare Schaumstoffblöcke und ein geschraubter Spannbügel sorgen für einen sicheren Halt des Fahrakkus im Chassis


Mit dem Motor im Heck geht’s auf ins Gelände


Auf lockerem und tiefem Untergrund macht der
E-Firestorm 10T eine gute Figur. Fliegende Dreckfontänen kennzeichnen seinen Weg
durchs Gelände


Für eine kontrollierte Fahrt auf festeren Schotterböden ist die Reifenmischung etwas hart.
Für eine lockere Runde mit einigen Drifts reicht
es dennoch


Da geht doch noch was: Für mehr Druck
sorgt die neue Brushless-Motorenserie Eraser
Sports Modified von LRP


Der 15-Turn-Firebolt-Motor
treibt den Racetruck ordentlich nach vorne

 

 

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