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Dank immer wiederkehrender Geschmacks-Verirrungen verschwinden einige Modeerscheinungen schneller, als sie gekommen sind. Ganz anders sieht es da bei den Truggys im RC-Car-Sport aus. Diese Bash-Vehikel sind in Sachen Chassis und Technik stark an die weit verbreiteten Buggys angelehnt. Im Gegensatz zu der beliebten Renngattung haben viele Truggys jedoch größere Spurweiten und bulligere Räder, was schon beim ersten Anblick des S8 TXe – Bruder des S8 TX – auffällt. Schaut man genauer hin, gibt es noch einige andere Unterschiede zwischen der Elektro- und der Nitro-Version.

Obwohl LRPs neuestes Geschöpf auf dem Buggy-Chassis basiert, wirkt das Modell sehr viel größer. Grund dafür sind die ausladenden Radaufhängungen mit den Monstertruck-ähnlichen Rädern und die gestrecke Karosserieform. Vorteil dieser Big-Foots: Sie lassen sich einfacher manövrieren, liegen stabiler in der Bahn und sind geländetauglicher als Buggys. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Natürlich sind die Truggys nicht solche Geschosse wie ihre schmalen Kollegen und auch der erforderliche Skill liegt bei diesen Gefährten niedriger.

Hut ab
Schaut man unter den Deckel, wirkt das Chassis fast schon ein wenig verlassen: ein 9-Kilogramm-Servo der Standardgröße, eine Akku-Rutsche aus Kunststoff, kurz davor eine RC-Box, die den Empfänger beinhaltet und schließlich noch der Antrieb. Der Brushless-Innenläufer ist zur besseren Wärmeableitung fein geriffelt und trägt seinen Kühler direkt huckepack. So ist er, im Gegensatz zu vielen anderen Bürstenlos-Konkurrenten, unabhängig von Fahrtwind sowie Karosserieform, stets gewillt, Höchstleistungen zu bringen und dabei einen kühlen Kopf zu bewahren.

Auch beim Regler haben sich die LRP-Ingenieure einiges einfallen lassen, um ihn gekonnt in Szene zu setzen: Ein blaues Kunststoffgehäuse umschließt die Platine und oben drauf thront ein satter Aluminium-Kühlkörper, der wie der Motor ein kleines Lüfterrad aufgesetzt hat. Unauffällig aber nicht minder bedeutend ist der kleine 1.500-Mükrofarad-Kondensator, der sich – über zwei Kabel mit dem Rest verbunden – außerhalb des Reglers befindet und extreme Spannungsabfälle überbrücken soll. Komplettiert wird das noch schlummernde Kraftpaket von fünf Kabeln. Drei davon sind passend abgelängt und ohne rumzuschlabbern mit dem Motor verbunden, während die übrigen zwei in der Nähe des Akku-Fachs baumeln und auf ihren Einsatz hoffen. Hier wartet noch ein weiterer Kandidat darauf, gebraucht zu werden. Ein unscheinbares grünes Kabelchen verschwindet in den Weiten des Chassis. Am Anfang ein Doppel-4-Millimeter-Goldstecker. Und das Ende? Das führt geradewegs zu einem kleinen Ein-aus-Schalter neben dem Controller. Dabei handelt es sich um das 7,4-Volt-Empfänger-BEC. Dieses Kabel wird einfach zwischen die beiden Akkus geschaltet und nimmt demnach von einem Pack die Spannung für den Empfänger und das Servo ab.

Framework
Das gestanzte Aluminium-Chassis verfügt über zwei Kunststoff-Einfassungen an den Rändern und Vorder- und Hinterachse sind wie üblich bei Modellen dieser Größenordnung mit vier Schrauben befestigt. Querlenker, Pivot-Ball-Aufhängungen an der Vorderachse und die Gehäuse der Öldruckstoßdämpfer sind allesamt aus Kunststoff gefertigt. Aluminium wurde lediglich an stark beanspruchten Stellen verwendet; beispielsweise den Dämpferbrücken, den Aufhängungen der Querlenker oder denen der Lenkung. Die oberen Querlenker an der Vorderachse sind aus robustem Kunststoff hergestellt und die Gewindestangen zur Sturz-Einstellung zum Schutz vor Dreck mit Hart-Gummi-Manschetten abgedeckt. CVD-Antriebswellen und Lenkstangen aus verchromtem Metall machen den vorderen Chassis-Teil vollkommen.

An der Hinterachse findet sich eine Besonderheit. Die Drehpunkte der unteren Querlenker sind nicht parallel zu den Rädern angeordnet, sondern gehen nach vorne ungefähr im 20-Grad-Winkel auseinander. Dadurch dreht sich der Querlenker beim Einfedern von einer leichten Schräglage fast vollständig gerade. LRP verspricht dadurch ein verbessertes Fahr- und ein dynamischeres Kurvenfahrverhalten. Ob diese Innovation allerdings wirklich die versprochenen Effekte erzielt, konnte nicht ergründet werden. Spektakulär sieht es allemal aus. Hinten sorgen anstelle von CVD-Wellen einfache Knochen für Vortrieb und als obere Querlenker dienen Gewindestangen mit Kugelkopf-Aufsätzen. Stabis sucht man vergebens. Wieder ein Zeichen dafür, dass Modelle dieser Klasse mehr auf das Bashen im Steinbruch konzipiert sind als auf präzises Fahrverhalten für die Rennstrecke.

Ringsherum kommen einfache Öldruckstoßdämpfer zum Einsatz. Ganz aus Plastik gefertigt und mit fassförmigen Federn versehen, kann man die Härte über insgesamt drei mal vier unterschiedlich breite Spacer einstellen. Beim Testmodell wurden als Anfangs-Setup vorne und hinten die breitesten und die etwas schmaleren Vorspanner gewählt. Da es sich um ein Ready-to-run-Set handelt, ist alles so weit vorbereitet. Bei einer Inspektion der hinteren Radaufhängungen zeigten sich jedoch einige nur handfest eingedrehte Schrauben, die kurzerhand mit dem umfangreichen Bord-Werkzeug angezogen wurden. Auch der Motor verlangte noch nach einer Überarbeitung seiner provisorischen Arretierung am Aluminium-Motorträger. Dabei ist es wichtig, dass Zahnflankenspiel richtig einzustellen. Ungewohnt ist das starke Rastmoment des Brushlessmotors. Wer nur Verbrenner gewohnt ist, wird sich hier etwas schwer tun, den richtigen Abstand zwischen Motorritzel und Mitteldiff zu finden. Der Vollständigkeit halber soll noch erwähnt sein, dass sich der Regler wohl durch den Transport gelöst hatte. Hier genügte ein beherztes Andrücken und schon saß auch er wieder fest.

Easy going
Nun folgten noch zwei Standardaufgaben: Spoiler und Räder wollten montiert werden. Beim Heckflügel besteht die Befestigung aus lediglich zwei Inbus-Schrauben, die mit den im Set enthaltenen Sechskant-Schlüsseln ruck, zuck angezogen sind. Um das Design an die individuellen Vorlieben des Bash-Cracks anzupassen, kann man sich zwischen neongelben und schwarzen Abstandshaltern unter den Schrauben entscheiden. Passend zu Felgen und Spoiler bekam das Testmodell die giftige Variante verpasst. Apropos Felgen: Radmuttern runter, Felgen samt werkseitig verklebter Kamikaze-VTEC-Reifen drauf, festschrauben, fertig. So einfach kann Reifenwechseln sein. Nun steht das fertige Chassis das erste Mal auf dem Wohnzimmertisch – einen Bastelkeller benötigt man für die Montage dieses Modells nämlich ganz sicher nicht.

Nun folgt ein prüfender Blick in den Karton. Ein RTR-Set sollte ja mehr zu bieten haben, als nur das Modell. Und richtig: Ein griffiger Sender liegt noch dabei. Leider nicht mit 2,4 Gigahertz, dafür aber mit einigen Computer-Einstellmöglichkeiten: zehn Modellspeicher, dreistufiges Antiblockiersystem sowie die heutzutage schon zur Grundausstattung gehörenden Expo- und Failsafe-Funktionen. Getrimmt wird natürlich digital, ein dritter Kanal kann über einen weiteren Hebel aktiviert werden. Batteriespannung und Modellspeicherplatz werden permanent im Display angezeigt und zum Betrieb sind acht Mignon-Zellen erforderlich. Der Empfänger liegt gut geschützt in der RC-Box auf dem Chassis. Wenig überraschend, dafür robust und bewährt ist das Dreikanal-Pendant ausgeführt. Die Antenne muss noch durch das beiliegende Kunststoff-Röhrchen aus der Karo geführt werden.

Package
Das war aber noch längst nicht alles, was im Karton so herumliegt. Der umfangreiche Dekorbogen kann zu Verzierungszwecken eingesetzt werden, ist aber eigentlich nicht erforderlich, da das gesamte Modell bereits ordentlich mit Stickern übersäht ist. Außerdem stehen dem Besitzer noch zwei Spritzbäume zur Verfügung, aus denen sich neben den Spacern für die Federvorspannung noch diverse Ersatz- und Setup-Teile heraustrennen lassen. Das bereits angesprochene Werkzeug ist ebenfalls in einer der zahlreichen Tütchen enthalten. Ansonsten war das im Wesentlichen der ganze Packungsinhalt. Was fehlt? Richtig: Akkus. Freundlicherweise hat LRP das Akku-Fach so designt, dass sowohl zwei LiPo- als auch zwei NiMH-Akkus mit 7,4 beziehungsweise 7,2 Volt bequem Platz finden. Um die Energiespender vorm Unfalltod zu schützen, hat LRP auch den Airbag nicht vergessen. Ein kleiner Hartschaumblock, der vor den Akkus platziert werden kann, hält sie sicher in ihrer Position. Nun noch die beiliegenden Klettgurte über die heiße Fracht spannen und es kann losgehen.

Die Sensor-Ansteuerung des Vector-Motors verspricht schon im Vorfeld sanftes Anlaufen. Doch mal ehrlich: Wer will mit einem derart überpowerten Truggy schon sanft fahren? Also, Vollgas und driften, was die Reifen hergeben. Und das ist eine ganze Menge, wie sich herausstellt. Die Pneus packen gut im Gelände zu und vermitteln dem Fahrer stets ein sicheres Gefühl, was Feedback und Verlässlichkeit angeht. Doch die Reifen sind nicht das Einzige, was dieses Fahrzeug auszeichnet. Natürlich geht es in erster Linie um das kleine Alu-Triebwerk des Truggys. Zieht man den Abzug am 27-Megahertz-Pistolensender, bildet man sich ein, der Motor würde reagieren, bevor man selbst überhaupt einen Befehl gibt. Ohne merkbare Verzögerung bringt der Innenläufer den Antriebsstrang auf jede beliebige Drehzahl und zurück. Egal ob auf Sand, Kies oder Beton: Der Motor reagiert sofort und extrem kraftvoll. Mit gefühlvollen Gasstößen kann man sich je nach Untergrund in Kurven gut ans Limit herantasten, bis es schließlich in den Drift geht.

Härtetest
Bockspringen? Kleinkram für den TXe. Mit Gas auf die Rampe zu und im letzten Moment noch mal richtig aufdrehen. Danach geht’s fast endlos in den Himmel. Dank der massigen Räder kann man die Fluglage auch bei weiten Jumps noch gut beeinflussen. Harte Landungen steckt das Chassis ohne zu murren weg. Kein Wunder. Das Material ist extrem flexibel und Reifen sowie Dämpfer erledigen den Rest. Und wenn’s doch mal zu schnell geht, ist auch die Bremse erste Sahne und verzögert ohne Schwierigkeiten. Doch immer dran denken: Wer bremst, verliert! Der Regler zieht die beiden 5.300er-Akkus dank maximal 764 Ampere pro Phase Saugkraft in gut 15 Minuten nahezu leer und zwingt das Monster an die Dose. Mit einem zweiten Satz Akkus und einem Schnelllader ist so fast unbegrenzter Fahrspaß möglich.



Das Chassis entspricht im Grundaufbau und einigen Detaillösungen exakt der Brushless-Buggy-Version des S8


Das Lenkservo ist mit einem Metallgetriebe ausgestattet und bietet mit 9-Kilogramm-Stellkraft genügend Leistung


Alu-Sechskant-Mitnehmer und CVD-Antriebswellen übertragen ihre Kraft auf die Räder




Die VTEC-Kamikaze-Reifen sind bereits fertig mit den Felgen verklebt


Bei hohen Kurven-Geschwindigkeiten neigt sich das Chassis etwas. Hier wären Stabis wünschenswert gewesen


Die Diffs sind bereits mit Öl befüllt und mit Shim-Scheiben optimal angepasst


Knochenwellen übertragen die Kraft vom Mittel-Diff auf die beiden Achs-Differenziale. Von dort an übernehmen CVD-Wellen


Das Mittel-Diff ist mit Kugellagern auf der einen Seite im Alu-Motorträger und auf der anderen Seite direkt im Kunststoff gelagert



Damit der Motor im Betrieb bei höheren Außentemparaturen nicht überhitzt, umklammert ihn ein mächtiger Kühlluft-Spender


Das Herzstück des S8 ist ein kräftiger, sensorgesteuerter Brushless-Innenläufer mit viel Leistung und reichlich Drehmoment


Der Regler ist gut auf den Motor abgestimmt. Im Betrieb wird er – auch dank des Lüfters – kaum warm


Die weichen Reifen bieten auch auf rutschigem Untergrund jede Menge Grip


Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in RC-Truggy-Action, Ausgabe 2010.
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